Artikel zur Dissertation der Kollegin von Kurnatowski
'Klinische und genetische Untersuchungen zu Krampfanfällen bei Border Terriern'

Diana Plange, Fachärztin für Tierschutz
23. Oktober 2007

Ein erfreuliches Ergebnis war nicht zu erwarten und ist es auch nicht geworden, was da jetzt als Ergebnis der Dissertation der Tierärztin Juliane von Kurnatowski zu lesen ist.

Trotzdem haben zumindest die seriösen Border Terrier Züchter nun einen Anhaltspunkt gefunden, von welchem aus nun eine weitere Aufarbeitung des Problems stattfinden muß. Spätestens jetzt werden sich in der Auseinandersetzung mit dem Problem, die seriösen Züchter, denen es um die Gesunderhaltung dieser netten Rasse geht, von jenen unterscheiden, welchen nur an ihrem persönlichen und finanziellen Interessen gelegen ist.

Es ist nicht leicht, sich einzugestehen, dass man jahrelang alle bis dahin existierenden Hinweise, Veröffentlichungen und Warnungen in den Wind schlagend, die Augen verschlossen hat vor der Wahrheit:

Wir haben in der Rasse der Border Terrier ein ganz erhebliches Problem, dem wir uns stellen müssen. 'Wir' heißt jeder einzelne Züchter. Natürlich wird sich auch der Zuchtverband Gedanken machen müssen, wie mit dem Problem umzugehen ist, aber ohne die Mitarbeit der Züchter ist das eine kaum zu bewältigende Aufgabe.

Als kleine Motivation möchte ich gerne auf folgendes hinweisen:

Spätestens jetzt, nachdem die zuvor ja schon seit fast 10 Jahren bekannten Tatsachen nun in einer Dissertation veröffentlicht und diese auch durch Veröffentlichung im KfT Organ 'DER TERRIER'  für jeden Züchter zu lesen war, besteht für jeden Welpenkäufer, dessen Hund an CECS erkrankt, die Möglichkeit den Züchter für die gesamten Behandlungskosten des Hundes ( lebenslang) in Regress zu nehmen, wenn er nachweisen kann, dass der Züchter von der möglichen Gefahr wusste, sprich Hunde zur Zucht verwendete, von denen krampfende nahe Verwandten bekannt sind, sich also simple ausrechnen lässt mit welcher Wahrscheinlichkeit  Welpen aus dieser Verbindung erkranken könnten.

Hierbei spielt es überhaupt keine Rolle, ob dieses Geschehen als Epilepsie oder als CECS (Canine Epileptoid Cramping Syndrom) bezeichnet wird, denn beides ist erblich und damit in der Zucht auszuschließen.

Ob diverse Züchter oder KfT Mandatsträger sich für die immer noch anhaltenden Verbreitungen von Unwahrheiten und Ähnlichem entschuldigen werden bei all denen, die mit viel Fleiß und persönlichem Engagement die Voruntersuchungen zu der jetzt endlich vorliegenden Dissertation, geleistet haben, bleibt abzuwarten.

Ich denke, eine Rehabilitierung und Anerkennung dieser Arbeit wäre angebracht. Angefangen bei diversesten Züchtern, privaten Hundebesitzern bis hin zu der Person, welche seit Jahren völlig unentgeltlich und uneigennützig, ohne selbst Züchter zu sein, die wohl weilweit größte Border Terrier Datenbank aufgebaut hat, weiterführt und die meisten dort weltweit gemeldeten in verschiedenen Listen geführte an CECS erkrankten Border Terrier zusammengetragen hat. Auch meine Erhebungen und Untersuchungen zu diesem Thema, wären ohne die Hilfe von Erica Jabroer-ter Lüün kaum möglich gewesen.

Diese Vorbemerkungen waren mir wichtig und wenn wir nun nach vorne sehen, um zu überlegen, wie es nun weiter gehen kann - meines Erachtens nur gemeinsam und das nicht nur Deutschlandweit -, so müssen wir doch  bei der Entscheidungsfindung einiges aus der Vergangenheit mit betrachten, wenn wir nicht weitere, wertvolle Zeit vergeuden wollen, in welcher noch unnötig viele Hunde mit dieser genetischen Anlage geboren werden.

Um gleich vorweg entsprechender Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen:

Ich habe mit der Kollegin von Kurnatowski gesprochen und mich mit Ihr über einige Ungereimtheiten, die mir in der Arbeit aufgefallen waren auszutauschen. Wenn ich diese jetzt hier zur Diskussion stelle, dann geschieht dies keineswegs aus dem Bedürfnis, Kritik an der hervorragenden Arbeit der Kollegin zu üben. Auch persönlich habe ich Ihr zu der gelungenen Dissertation gratuliert. Noch dazu sollte berücksichtigt werden, dass die Kollegin Aussagen nur auf der Basis der Daten erstellen konnte, die Ihr zur Verfügung gestellt wurden.

Neben einigen anderen kleinen, eher unwichtigen Details bezüglich Geschlechter oder Farbverteilung, sind es hauptsächlich die folgenden Punkte , die zu diskutieren sind:

1. Häufigkeit des Vorkommens und daraus Berechnung der Prävalenz, welche die Autorin hier als 'sehr hoch' mit 13,1% einstuft. Es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht alle Züchter im erforderlichen Maße, ehrlich an dieser Unfrage teilgenommen haben. Gleichzeitig muss jedoch die Zahl der erkrankten Hunde auf die Population der Border Terrier bezogen werden um die Häufigkeit der Erkrankungsfälle in der Rasse beziffern zu können. Würde man nun vom günstigsten Falle ausgehen, d.h. daß die gemeldeten 47 erkrankten Border Terrier sämtlich in unseren aufgelisteten, im Deutschlang gezüchteten und erkrankten Border Terriern enthalten wären, dann bliebe immer noch ein 'Überschuss' von mehr als 100 Hunden, d.h. die Prävalenz für diese Erkrankung muss leider mindestens doppelt so hoch angenommen werden, was die damals von uns errechnete Häufigkeit von gut 25 % bestätigt.

2. 'Das Vorliegen eines angeborenen Stoffwechseldefektes konnte ausgeschlossen werden'

Korrekt hätte die Aussage vielleicht lauten können: 'Es konnte nach Untersuchung folgender Parameter .......... kein Hinweis auf das Vorliegen einer normalerweise mit einer Abweichung dieser Laborparameter einhergehenden Stoffwechselstörung gefunden werden.'

Denn: aus den an den Universitäten Gießen und Uetrecht, sowie diversesten Laboren Deutschlands von diversesten tierärztlichen Kollegen im In- und Ausland eingesandten Blutproben, wissen wir, dass es durchaus Hinweise für das Vorliegen einer Stoffwechselerkrankung gibt.

Interessanterweise, wurden bei nur 2 Hunden die Gallensäuren als verändert angegeben, ein Gallensäurestimulationstest wurde bei allen Hunden, nach Aussage der Kollegin von Kurnatowski nicht durchgeführt. (obwohl seit Jahren zumindest auch dem KfT als auffällig bekannt).

Interessant wird allerdings die oben gemachte Aussage im Hinblick auf die in Seite 66 der Dissertation  gemachte Feststellung.

Demnach berichten 48,94 %  der gesamten 47 Hunde, eine Besserung der Anfälle unter Diät.

Nun, bei diesen Zahlen muss man aber berücksichtigen, dass von diesen 47 erkrankten Hunden 20 Tiere gar keine Diät bekamen. Das heißt 27 der 47 Hunde bekamen Diät und davon berichten 23 über eine Besserung und nur 4 über keine Besserung der Symptome.

Daraus ergibt sich dann wohl doch zwangsläufig die Frage, ob wir auch in dieser Richtung weiter suchen müssen, oder diese von den Hundebesitzern mannigfach berichteten Erfahrung  einfach ignorieren können.

Die Aussage der Frau von Kurnatowski war eindeutig die, dass Ihre Aufgabe in erster Linie darin bestand zu ergründen, ob es sich bei den Krampfanfällen der Border Terrier um eine erblich bedingte Erkrankung handele.

Ich denke, das konnte bewiesen werden und wir alle bedanken uns bei der Kollegin für Ihre Arbeit.

Im weitesten Sinne, nämlich in den Punkten, die für uns alle von Bedeutung für die Zucht sind, ist jetzt dann auch von dritter, unvoreingenommener, wissenschaftlicher Seite unser Problem beschrieben und damit auch (spätestens jetzt) zur rechtlichen Grundlage  (siehe TierSchG besonders § 11b) geworden.

Wir halten noch einmal fest, was wir zuvor dem KfT und den Züchtern mitteilten und sich jetzt noch einmal bestätigt hat:

  • Es handelt sich um ein Krampfgeschehen (wir haben es CECS genannt, weil es das Symptom am besten beschreibt; mit beiden Tieren, CECS oder Epileptikern, darf aufgrund der Erblichkeit des Problems nicht gezüchtet werden, weshalb im weiteren Gebrauch die Unterscheidung unterbleibt), welches in der Regel im Alter zwischen 2 und 4 Jahren auftritt, wobei Abweichungen nach oben und unten möglich sind, die meist auch entsprechende Auswirkungen auf die individuelle Prognose des Tieres haben.
  • Eine geschlechtsgebundene Häufigkeit gibt es nicht.
  • Die Veranlagung ist erblich, quer durch die ganze Zucht der Welt verteilt, aber ursächlich klar auch auf einzelne Individuen zurückzuführen.
  • Die Prävalenz liegt im Bereich zwischen 13,1% und 26 %, wobei mit Rücksicht auf die oben gemachten Äußerungen, der höhere Wert der wahrscheinlichere ist.
  • Eine Berechnung der Wahrscheinlichkeit mit der Welpen aus einer geplanten Verbindung erkranken werden, ist überall da möglich, wo krampfende Elterntiere oder deren nahe Verwandten bekannt sind.( siehe Datenbanken)
  • Es existieren verschiedene Sammlungen von an CECS erkrankten Border Terriern, die nicht kongruent sind. Die zur Zeit in den Niederlanden erfasste Datenbank enthält nicht nur die in Deutschland gezüchteten und an CECS erkrankten Border Terrier, sondern den Großteil aller weltweit erfassten Erkrankungsfälle in einer sogn. 'offenen' und einer sogn. 'geschlossenen' Liste. In letzterer sind alle diejenigen Hunde erfasst, deren Besitzer sich zwar gemeldet haben, sich bisher allerdings noch nicht dazu entscheiden konnten, die Namen ihrer Hunde zur Veröffentlichung frei zu geben.
  • Eine Besserung der Symptome unter einer bestimmten Diät wurde von der überwiegenden Anzahl der betroffenen Hundebesitzer berichtet.
  • Weitere Untersuchungen, auch zur Genidentifizierung, laufen an Universitäten der Niederlande, USA und Finnland und sollten mit den deutschen Bemühungen koordiniert werden.

Und nun? Ich denke es sollte im Interesse unserer Rasse sehr kurzfristig nach einer endlich gemeinsamen, zielführenden Lösung gesucht werden, wenn man sich nicht vorwerfen lassen möchte zu eigenem Vorteil aus niederen Beweggründen zu handeln und die klägliche Erkrankung vieler Border Terrier, sowie das Leid der Besitzerfamilien in Kauf zu nehmen, sondern vorsätzlich gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen.