Klinische und genetische Untersuchungen zu Krampanfällen bei Border Terriern

Dr. Juliane von Kurnatowski

aus: Der Terrier - Juli 2007


Aus der Klinik für Kleintiere (Direktor: Prof. Dr. I. Nolte) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Tierarztpraxis und Klinik für Kleintiere Dr. Henning Kloene, Bad Münder, Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung (Direktor: Prof. Dr. O. Distl)

Im Zuge einer Dissertation in der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover wurden die klinischen und die genetischen Aspekte der Krampfanfälle bei Border Terriern untersucht (Juliane von Kurnatowski, Dissertation 2007, Hannover). Da ein gehäuftes Auftreten von Krampanfällen bei dieser Hunderasse in bestimmten Subpopulationen und ein wiederholtes Auftreten in verschiedenen Familien zu verzeichnen war, wurde eine genetische Grundlage vermutet.

In Form einer Fragebogenaktion konnten 267 Fragebögen mit Informationen über 365 Hunde ausgewertet werden. Dabei wurde zunächst die Prävalenz (=Anzahl der Erkrankungsfälle) der Krampfanfälle bei Border Terriern in Deutschland geschätzt sowie eine Evaluierung des Anfallscharakters vorgenommen. Anhand von Pedigreeuntersuchungen (Stammbaumuntersuchungen) und Segregationsanalysen konnte letztendlich der Erbgang bestimmt werden.

70% der erkrankten Border Terrier (insgesamt 47) wiesen den gesamten Körper betreffende Krampfanfälle auf, wobei 45% der Hunde typischerweise plötzlich steif wurden.

Nur 20% der Border Terrier verloren das Bewußtsein. Ähnlich wie die Border Terrier werden auch Dackel, Pudel und andere Terrierrassen während der den gesamten Körper betreffenden Anfälle steif. Im gegensatz dazu treten bei anderen Hunderassen, wie beispeilsweise Golden und Labrador Retrievern, Berner Sennehunden und Irischen Wolfshunden zwar ebenfalls hauptsächlich Krampfanfälle bezüglich des kompletten Körpers auf, die Hunde verlieren aber häufig das Bewußtsein. Phasen der Steifheit wechseln sich dabei mit Laufbewegungen ab.

Die in die Studie aufgenommenen Border Terrier waren durchschnittlich 3,73 Jahre alt und erfuhren ihren ersten Krampfanfall im Durchschniit mit 3,15 Jahren.

Im Zuge einer ausführlichen Diagnostik wurden keine Abweichungen von der Norm gefunden. Durch zusätzliche labor-diagnostischen Untersuchungen (metabolisches Screening => Bestimmung der Konzentrationen von Aminosäuren, organischen Sáuren, Purinen, Pyrimidinen in Harn und Serum) konnte das Vorliegen eines angeborenen Stoffwechseldefektes ausgeschlossen werden. Das Vorliegen einer idiopatischen (=ohne erkennbare Ursache entstandenen) Epilepsie ist bei dieser Rasse zu vermuten.

Der durchschnittliche Inzuchtkoeffizient der Border Terrier besaß einen Wert von 3,85 %, wobei betroffene Würfe einen nicht signifikant größeren Inzuchtkoeffizienten als nicht betroffene Würfe aufwiesen.

Aufgrund einer sehr hohen Prävalenz von 13,1 % und einer hohen Heritabilität (Erblichkeit) von 0,51 war die Anwesenheit eines genetischen Effektes sehr warscheinlich.

Weiterhin wurde bewiesen, daß Geslecht (Männliche Hunde) und Alter (jüngere Hunde) einen signifikanten Einfluß auf das Auftreten der Erkrankung besaßen.

Es wurden zehn mit einander in Verbindung stehende Pedigrees über mindestens fünf Generationen erstellt, welche 31 der 47 erkrankten Border Terrier enthielten. Die Analyse der Pedigrees zeigte daß die Mehrheit der erkrankten Hunde von gesunden Elterntieren abstammte.

Anpaarungen von zwei gesunden Tieren, sowie einem gesunden und einem erkrankten Tier brachten jeweils Würfe hervor, welche stets aus gesunden und erkrankten Nachkommen bestanden. Das wiederholte Auftreten erkrankter Hunde in verschiedenen Würfen aus der Anpaarung gleicher Vatertiere mit unterschiedlichen Muttertieren oder der Anpaarung gleicher Muttertiere mit verschiedenen Vatertieren unterstützte die Vermutung einer genetischen Komponente.

In Hinblick auf die Vermutung einer genetischen Komponente wurden Segregationsanalysen zur Ermittlung des Erbgangs durchgeführt. Dabei wurde ersichtlich, daß die Krampfanfálle der Border Terrier mit großer Warscheinlichkeit einem monogen-rezessiven Ergebnis unterliegen.

Aufgrund des Nachweises der genetischen Basis sowie eines monogen-rezessiven Erbgangs sollten an Krampfanfällen leidende Tiere oder deren Verwandte ersten Grades (=Vollgeschwister und Eltern) nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Außerdem sollte eine Anpaarung welche erkrankte Nachkommen hervorgebracht hat, nicht wiederholt werden.

Die Identifikation von Genen, welche für die Krampfanfälle verantwortlich sind, würde hilfreich sein, um ein weiteres Auftreten der Erkrankung effizienter zu vermeiden und um Träger der Erkrankung frühzeitiger erfassen zu können.

Dr. Juliane von Kurnatowski
Tierarztpraxis und Klink für Kleintiere
Dr. Henning Kloene
Hinterm Junkernhof 8
D-31848 Bad Münder, OT Eimbeckhausen

Die Dissertation finden Sie zum herunterladen auf der Internetadresse:
http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/kurnatowskij_ss07.html.